
Stefan Wiedmer repräsentiert die fünfte und jüngste Generation der F. Berner-Iberg AG. Im Interview erzählt er von seinem Weg ins Familienunternehmen und was es bedeutet, Dorfbaumeister zu sein.
Stefan Wiedmer, wussten Sie schon als Kind, dass Sie einmal in die Firma Ihrer Familie einsteigen würden?
Nein, ich war einer von denen, die nicht so recht wussten, was sie nach der Schule machen sollten. Meine Mutter sagte immer: «Stefan, dir muss deine künftige Arbeit gefallen; lass dir von niemandem reinschwatzen.» Mein Vater Fritz sah das – theoretisch – auch so. In Wirklichkeit hat er dann aber doch immer vom Bauen geschwärmt: Wer auf dem Bau arbeite, der sei tüchtig und schaffe etwas Rechtes, der sei jemand! Ob das der Grund war, weshalb ich 1988 Hochbauzeichner lernte, vier Jahre später eine Maurerlehre begann und drei Jahre darauf die Bauführerschule besuchte, weiss ich nicht. Bereut habe ich es jedenfalls nie.
Ihre Zusatzlehre als Maurer haben Sie in Aarau gemacht, wie schon die Ausbildung zum Hochbauzeichner. Wieso nicht im Familienbetrieb?
Mit meiner Berufswahl zeichnete sich ab, dass ich später in den Familienbetrieb einsteigen würde. Da wollte ich mir den Respekt der zukünftigen Mitarbeitenden mit meinen jugendlichen Faxen nicht verspielen. Zudem wollte ich nicht als «Sohn vom Chef» behandelt werden. Ich sagte mir: Zu Berner-Iberg gehe ich erst, wenn ich die Grundausbildung hinter mir habe.
1996, also mit 24 Jahren, war es so weit: Sie haben Ihren ersten Arbeitsvertrag bei Berner-Iberg unterzeichnet. Als eine Ihrer ersten Amtshandlungen haben Sie die Planungsabteilung aufgebaut. Warum?
Einerseits, weil das Generalunternehmertum bei uns Tradition hat. Schon mein Urgrossvater hat als Generalunternehmer Häuser planen lassen, gebaut und schlüsselfertig verkauft, und in den 1970er-Jahren ging das so weiter. Andererseits besitzt unsere Firma Land in der Region, und Interessenten für Einfamilienhäuser gab es schon immer genug.
Also sagten mein Vater und Onkel: «Stefan, entwirf da mal etwas.» Bei einem grossen Planungsbüro hätte ich wohl erst nach Jahren solche Projekte bekommen, hier wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Denn einen Bauplan zu zeichnen, hatte ich zwar gelernt, aber ein Projekt vom ersten Kundenkontakt bis zur Schlüsselübergabe zu begleiten, das war nochmals etwas ganz anderes. Ich las mich quer durch die Standardwerke in Architektur und wälzte Grundrissfibeln – ein kleines, autodidaktisches Architekturstudium, könnte man sagen. Eine Investition, die sich gelohnt hat, auch für das Unternehmen. Denn dank der eigenen Planungsabteilung können wir heute selbst Immobilien entwickeln und somit Arbeit für unser Kerngeschäft generieren: das Bauen.
Wie führt man ein Unternehmen im Team und wie ist es, wenn die Geschäftspartner der Vater und der Onkel sind?
Einerseits bedeutet das: Jede Generalversammlung und jede Geschäftsleitungssitzung erlebt man wie ein Familientreffen. Eine schöne Sache, wenn man bedenkt, dass sich andere Familien nur zu Weihnachten sehen. Für den Betrieb scheint mir aber wichtig, dass jeder Geschäftspartner seine eigene Sparte führt. Jeder hat seine Kompetenzen. Dazwischen setzen wir auf Synergien und führen keine Machtkämpfe.
Was machen Sie anders als Ihr Vater und Ihr Onkel?
Die Unterschiede ergeben sich aus dem Aufgabenbereich. In der Planung muss ich die Bedürfnisse meiner Kundschaft spüren, ich muss auf sie eingehen können und flexibel sein, wenn sich Wünsche ändern. In der Bauabteilung und im Kies- und Betonwerk ist der Ton etwas rauer. Da gibt es klare Aufträge, die möglichst wirtschaftlich umgesetzt werden müssen.
Welche Eigenschaften braucht ein Unternehmer in der Baubranche?
Er sollte immer einen Schritt vorausdenken, damit die Baustellen oder ein Projekt nie stillstehen. Und dann sollte er ein Gespür für handwerkliche Qualität haben, um dem Handwerker sagen zu können: Das muss ein bisschen genauer sein, bitte. Das Handwerk ist mir sehr wichtig. Da bin ich ganz wie mein Urgrossvater, Fritz Berner-Iberg. Er ist mein Vorbild: ein Macher mit innerem Antrieb und Zuversicht, selbst in schweren Zeiten.
Wo sind Sie lieber: im Büro oder auf der Baustelle?
Mir gefällt beides, also die Abwechslung. Wobei sie Gefahren birgt: Manchmal sollte ich mich im Büro auf die Ausarbeitung eines Projekts konzentrieren. Brennt es dann auf einer Baustelle, bin ich dort sofort gefordert und muss die Büroarbeit warten lassen.
Was mögen Sie an Ihrer Arbeit, was weniger?
Ich mag, wenn es knifflig wird. Ein Einfamilienhaus auf einem besonders schmalen Grundstück zu planen, beispielsweise. Das ist Denksport. Wenn ich die Bauherrschaft dann mit meinem Vorschlag begeistern kann, liebe ich meinen Job. Harzige Preisdiskussionen oder nichteingehaltene Termine – das sind die mühsamen Aspekte des Arbeitsalltags.
Was kann Berner-Iberg besser als grosse Mitbewerber?
In der Planungsabteilung begleite ich die Kundschaft persönlich vom Anfang bis zum Schluss. Das heisst: Wir sind greifbar, wir schaffen Verbindlichkeit. Bei grossen Firmen würde der Ansprechpartner wahrscheinlich mehrmals wechseln. Was die Baumeisterarbeiten angeht, müssen wir ehrlich sein: Wir sind nicht die einzigen, die etwas vom Schalen, Armieren und Mauern verstehen. Hier gilt es, durch saubere, qualitative Arbeit einen Kundenstamm aufzubauen. Das ist uns gelungen.
Was bedeutet es, «Dorfbaumeister» zu sein?
Dass ich durch Rupperswil fahren und an fast jeder Ecke mit Stolz sagen kann: Da waren wir am Werk. Wir haben viele zufriedene Kundinnen und Kunden im eigenen Dorf, die uns weiterempfehlen.
Woher nehmen Sie Inspiration?
Die heutigen Baugesetze, immer kleinere Grundstücke und oftmals knappe Finanzen engen die Kreativität ein. Zudem bestimmt der Markt, was wir bauen. Es gibt aber durchaus Gestaltungsfreiraum: Einen Grundriss so zu strukturieren, dass die Proportionen stimmen; nicht zu banal, nicht zu unruhig, mit Wänden und Fenstern am richtigen Ort. Da habe ich mir ein gutes Auge erarbeitet.
Eine der grossen Herausforderungen der Baubranche ist der Fachkräftemangel. Was unternimmt Berner-Iberg dagegen?
Wir bilden in der Bauunternehmung Lehrlinge aus. Damit sichern wir einerseits gute Arbeitskräfte für das eigene Unternehmen oder für die Branche. Andererseits geht es uns bei der Lehrlingsausbildung nicht nur um den Kampf gegen den Fachkräftemangel, sondern auch darum, jungen Menschen eine Chance zu bieten, wie wir sie alle auch einmal bekommen haben.
Ihre Grossmutter Mathilde Wiedmer-Berner war Chefin, als Frauen in der Schweiz noch nicht einmal abstimmen durften, und dann sogar noch in der männlich dominierten Bauwirtschaft. Wie hat sie die Firma geprägt?
Meine Grossmutter war in der Firma lange für das Kaufmännische verantwortlich und amtete gleichzeitig als Berner-Ibergs Telefonzentrale. Wer etwas von Fritz, Paul oder von mir wollte, gelangte nur über meine Grossmutter zu uns. Deshalb kannte sie fast jeden – und alle kannten sie. Noch heute erinnern sich unsere Kundinnen und Kunden oft und gerne an sie. Man könnte sagen, meine Grossmutter Mathilde war eine wichtige Markenbotschafterin.
Wenn man Ihre Grossmutter, Ihren Vater und Ihren Onkel anschaut, scheint es in der F. Berner-Iberg AG üblich, den Familienbetrieb bis weit über das Pensionsalter hinaus zu führen. Wollen Sie das auch?
Es ist doch immer so: Diejenigen, die darüber lächeln, tun es irgendwann selbst. Natürlich hängt das auch von meiner Nachfolge ab. Aber ich bin ja erst 52. Darum sage ich: Es gibt viel zu tun, packen wir es an!
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Dieser Artikel ist Teil des Jubiläumsbuchs «Dorfbaumeister seit über 100 Jahren», das Widmer Kohler für die F. Berner-Iberg AG in Rupperswil konzipiert und geschrieben hat. (2024)